Neue Formen für die Hangweide – ein Beteiligungsprozess in Kernen

Ein Kommentar

21. März 2018 | Irgendwie muss heute (fast) alles partizipativ sein. Ob Bauvorhaben, Ausstellungen oder Kindergarten – ohne Partizipation ist vieles kaum noch denkbar. Aber wie wird das überhaupt gemacht?

Ein Blick auf ein knapp acht Hektar großes Gelände im Remstal mit dem schönen Namen „Hangweide“ könnte weiterhelfen. Die Diakonie Stetten betreute dort in mehreren Gebäuden Wohnungen für Menschen mit Behinderungen. Nun sucht sie neue inklusive Wohnformen. Dafür hat sie bereits einige Häuser aufgegeben, die sie an die Gemeinde Kernen verkaufen will. Das Ziel ist klar: Kernen benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum. Aber wie kann heute ein neues Wohnquartier entstehen?

 

Die Bürgerinnen und Bürger von Kernen waren entschlossen, dabei nicht einfach nur zuzusehen – und der Gemeinderat wollte dies auch ernst nehmen. Er beschloss Anfang 2018 einen umfassenden Bürgerbeteiligungsprozess und beauftragte Dr. Konrad Hummel und dessen Tochter Lena, diesen zu begleiten und zu moderieren. In mehreren Schritten vollzog sich seither die Beteiligung. Auf eine Auftaktveranstaltung folgte am 21. März 2018 der erste Workshop. An diesem konnten zum einen Interessierte teilnehmen, zum anderen wurden nach dem Zufallsprinzip Bürgerinnen und Bürger angeschrieben. Insgesamt meldeten sich 55 Personen an, 35 bis 40 von ihnen kamen regelmäßig zu den verschiedenen Workshops. In mehreren Gesprächsrunden erarbeiteten die Mitwirkenden ihre Vorstellungen für die neue Hangweide. Die unterschiedlichsten Wünsche und Vorstellungen prallten dabei aufeinander. Den Moderatoren fiel dabei die Schlüsselstellung zu. Sie mussten einen Weg finden, bei dem sich niemand übergangen oder ausgeschaltet fühlt. In Kernen gelang dies: Am 19. Juni übergaben die Moderatoren die Bürgerempfehlungen an die Verwaltung und den Gemeinderat.

Aber was davon letztlich Realität wird, entscheidet immer noch der Gemeinderat.


Zum Weiterlesen:

/// Psst, streng geheim! Doch Sie dürfen es exklusiv lesen: Unser nächster Eintrag erscheint am 26. März.

 

 

Eine Antwort auf „Neue Formen für die Hangweide – ein Beteiligungsprozess in Kernen“

  1. Eigentlich sollte eine rechtzeitige Beteiligung der Bürgerschaft heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein und von der Verwaltung ernst genommen werden. Selbst wenn ein Kinderspielplatz geplant wird, ist die Einbindung von Kindern und Jugendlichen nur von Vorteil. Die späteren Nutzer dieses Platzes gehen ganz anders mit dieser Einrichtung um, weil auch ihre Ideen und Wünsche verwirklicht wurden.
    Kürzlich hat die Stuttgarter Straßenbahn nach einem Standort für ein neues Depot im Stuttgarter Norden gesucht. Die Planer haben zahlreiche Standorte untersucht und haben das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgestellt. Die betroffene Einwohnerschaft war mit den vorgeschlagenen Standorten nicht einverstanden, entwickelte weitere Ideen und am Ende der Diskussionen wurde ein Standort gefunden, der selbst von der Nachbargemeinde begrüßt wurde. Mit dem neuen Standort bietet sich die Möglichkeit, das Streckennetz über die Stadtgrenze zu verlängern und den öffentlichen Schienennahverkehr deutlich zu verbessern.
    Aber es gibt auch negative Beispiele für Beteiligungsformen. Als Beispiel Stuttgart 21 und die Schlichtung. „Wir brauchen nach meiner Auffassung in Deutschland eine Verstärkung der unmittelbaren Demokratie.“ sagte Heiner Geissler im Rahmen seines Schlichterspruchs am 30.11.2010. Seine Bedingungen zum Weiterbau von Stuttgart 21 wurden jedoch bis heute ignoriert. Das damals gefeierte Demokratiemodell „Schlichtung“ ist schlicht gescheitert.

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