Kampf dem Preiswucher! (Teil 1) – eine Protestkundgebung in Mannheim

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20. Oktober 1948 | Es war einmal eine neue Währung. Über Nacht füllten sich die Geschäfte, und am nächsten Morgen staunten die Menschen über all die schönen Dinge, die ihnen solange gefehlt hatten. Da begannen sie sofort, alles zu kaufen. Sie kauften immer weiter – und auf einmal war das Wunder geschehen. Alle Menschen hatten Arbeit und dem Land ging es wieder gut.

 

So oder so ähnlich kennen wir alle die sagenhafte Erfolgsgeschichte von der Währungsreform, mit der am 20. Juni 1948 die alte Reichsmark durch die neue DM abgelöst wurde. Aber genau vier Monate nach der Einführung des neuen Geldes war es den Menschen in Mannheim noch nicht zum Feiern zu Mute. Rund 60.000 Arbeiterinnen und Arbeiter versammelten sich ab 8 Uhr morgens auf dem Marktplatz.

Sie gehörten erst einmal zu den Verlierern der Reform, die schönen Waren in den Schaufenstern blieben für sie unerreichbar, da viel zu teuer. Die Preise stiegen rasant, während die Löhne eingefroren blieben. „Kampf dem Preiswucher!“, „Wir fordern Mitbestimmung!“ oder „Weltmarktpreise – Weltmarktlöhne!“, lauteten entsprechend die Parolen. Karl Schweizer, der Vorsitzende der Mannheimer Gewerkschaften, verlangte eine Überwachung der Preise und kündigte ein Ende der Zurückhaltung bei den Lohnverhandlungen an.

Merke, die meisten Wunder sind nicht für alle immer wunderbar und manchmal brauchen sie eben doch ein bisschen länger.


Zum Weiterlesen und -forschen:

 

/// Morgen besuchen wir einen weiteren Protestschauplatz. Bleiben Sie neugierig!

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