Kerzen gegen das Dunkel – die Stuttgarter Lichterkette

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20. Dezember 1992 | Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier… An diesem 4. Adventssonntag brannten aber nicht nur vier Kerzen: Um 17.30 leuchteten mehr als 120.000 Lichter in Stuttgart auf. Die Kette der TeilnehmerInnen reichte über 11 km lang vom Erwin-Schoettle-Platz in Heslach bis zum Marktplatz in Bad Cannstatt. Die politische Prominenz fehlte ebenfalls nicht: Ministerpräsident Erwin Teufel, Wirtschaftsminister Dieter Spöri und Oberbürgermeister Manfred Rommel hatten sich vor dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Alten Schloss eingereiht. Auch in Karlsruhe und Tübingen fanden Aktionen statt.

Zuvor waren bereits am 6. Dezember 1992 in München rund 400.000 Menschen in einer Lichterkette gegen „Fremdenhass“ auf die Straße gegangen. Den Auslöser dafür hatte die dramatische Zunahme von ausländerfeindlichen Straftaten nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 geliefert. Auch in Baden-Württemberg war es zu Angriffen gekommen. In Mannheim hatten am 28. Mai Anwohner in Schönau ein Flüchtlingsheim angegriffen. Allein in Stuttgart wurden innerhalb eines Jahres rund 100 fremdenfeindliche Straftaten gezählt.

Dem Münchener Beispiel wollte vor allem die 51-jährige Ingeborg Höch folgen. Der Initiative der im Stadtbezirk Weilimdorf lebenden Autorin und Lektorin war es zu verdanken, dass auch in Stuttgart ein Zeichen gesetzt werden konnte. Oder wie es ein Mechanikmeister aus Cannstatt formulierte: „Das ist eine stille Demonstration dafür, dass die Mehrheit der Deutschen nicht zu den Rechten gehört.“

Um 18.20 Uhr löste sich die Lichterkette wieder auf.


/// Zwischen den Jahren, am 27. Dezember, dürfen Sie sich auf das nächste Kalenderblatt freuen.

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