Niemals vergessen – Jugendliche gedenken des Massakers von Sant‘Anna

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12. August 2019 | 560 Menschenleben wurden in den Morgenstunden des 12. August 1944 auf grausamste Weise ausgelöscht. Was damals im kleinen toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema geschah, lässt die wenigen Überlebenden nicht mehr los. Mit roher Gewalt metzelten Mitglieder der 16. SS-Panzergrenadierdivision Männer, Frauen, Alte, Kinder, ja sogar Säuglinge nieder. Enrico Pieri und Enio Mancini waren damals Kinder und überlebten das Massaker nur mit viel Glück. Bleierne Trauer und Fassungslosigkeit ob des Geschehenen ergriffen die Überlebenden und prägte die folgenden Jahre.

Die Täter jedoch blieben über Jahrzehnte weitgehend unbehelligt, bis das im Jahre 1994 in Rom entdeckte Aktenmaterial dazu genutzt wurde, zehn Verantwortliche im Jahre 2005 zu lebenslänglichen Haftstrafen zu verurteilen. Vollstreckt werden konnte das italienische Urteil nicht, denn die Täter befanden sich in Deutschland und eine Auslieferung fand nicht statt. Mit Empören nahm die italienische Seite das Ergebnis eines Verfahrens in Stuttgart auf, das den Tätern keine individuelle Schuld beschied und diese somit freisprach. Die abweichenden Entscheidungen anderer deutscher Gerichte kam zu spät, waren die Täter doch entweder bereits verstorben oder nicht mehr haftfähig.

„Nie wieder Sant’Annas!“ Die Gedenkstätte in Sant’Anna di Stazzema (Bildnachweis: querwege).

Bereits 2012 brachen deutsche Unterstützer der italienischen Opferverbände zu einer Solidaritätsfahrt nach Sant’Anna auf und sendeten das Signal aus: Ihr führt euren Kampf um Gerechtigkeit nicht allein, erinnert sich Eberhard Frasch, aktiv in der „Initiative Sant’Anna“ der AnStifter Stuttgart. Im Folgejahr nahmen erneut 50 Menschen aus Baden-Württemberg an den italienischen Gedenkveranstaltungen teil, unter ihnen auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Staatsrätin Gisela Erler.

Bewegt von den Erfahrungen sicherte die politische Seite Unterstützung und Gelder zu, die unter anderem in das erste Friedenscamp der AnStifter floss. Deutsche und italienische Jugendliche sollen sich gemeinsam der Geschichte des Massakers vor Ort annähern, erklärt Eberhard Frasch. Dazu gehören unter anderem Gespräche mit den Zeitzeugen Pieri und Mancini sowie das Erstellen eines Beitrags zur Gedenkfeier. In Workshops widmen sich die Jugendlichen aktuellen Fragen rund um Europa, Völkerverständigung und Demokratie. Dies ist ganz im Sinne der Überlebenden: „Werdet Europäer! Fühlt euch europäisch! Wir brauchen Europa.“ Es sei wichtig, internationale Freundschaften zu knüpfen und zusammenzuhalten, betont Enrico Pieri. Camp-TeilnehmerInnen wie Christina Gohle fassen die intensive Reise wie folgt zusammen: „Sie hat uns weinen und lachen lassen“.

Auch in diesem Jahr findet 75 Jahre nach dem Massaker wieder das Friedenscamp statt. Es ist ein Baustein für Enrico Pieris Maxime „Nie wieder Sant’Annas“ !


Zum Weiterlesen und -forschen:

/// Die Alb ruft. Morgen ziehen wir wieder die Wanderstiefel an.

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