Auf Schusters Rappen – der Schwarzwaldverein erwandert den Südwesten

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8. Juni 1864 | Wo es bei jedem Schritt nach Tannenharz durftet, wo die Waldspitzmaus der badischen Quellschnecke begegnet und wo Wandersleute von der Hornisgrinde oder dem Belchen ins Land schauen können, dort liegt der sagenhafte Schwarzwald. Wie kaum ein anderes Gebiet in Deutschland ruft der Schwarzwald romantische Heimatgefühle hervor, steht für unberührte Natur und frische Luft. Dieses positive Image hat er nicht erst seit Kurzem. Einheimische begannen schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts damit, das Gebiet zwischen Pforzheim in Norden und Rheinfelden im Süden touristisch zu erschließen. Am 8. Juni 1864 gründete sich in der Freiburger Gaststätte „Renz’scher Felsenkeller“ der „Badische Verein von Industriellen und Gastwirthen zum Zweck, den Schwarzwald und seine angrenzenden Gegenden besser bekannt zu machen.“ Der unerhört lange Name war schon drei Jahre später Geschichte, als man sich kurz und tannenzapfenknackig in „Schwarzwald-Verein“ umbenannte. Im Jahre 1884 folgte ein württembergisches Pendant, ehe sich beide Vereine 1934 zusammentaten.

 

Rauten zieren ihre Wege: Philipp Bussemer und Julius Kaufmann markierten für den badischen Schwarzwaldverein im Jahr 1900 mit kleinen roten Rautenschildern den Westweg, der sich 279 Kilometer von Pforzheim nach Basel schlängelt. Das Zeichen des ersten europäischen Fernwanderwegs wurde zugleich zum Wappensymbol des Vereins. Heute zieht sich ein ganzes Netz gut ausgebauter und -geschilderter Wanderwege durch den Schwarzwald.

Mit der roten Raute markiert der Schwarzwaldverein seinen Wanderweg „Westweg“ von Pforzheim nach Basel.

Deutschlands ältester Wanderverein baute im 19. Jahrhundert zahlreiche Aussichtstürme (beispielsweise auf der Hornisgrinde), gab ab 1893 Wanderkarten heraus und richtete Wanderheime ein. Der Naturschutz spielte eine weitere gewichtige Rolle. In den 1920er Jahren gingen die Mitglieder gegen einen Stausee im Schluchtal in Südbaden auf die Barrikaden und erwirkten die Einrichtung eines Ausgleichs-schutzgebiets in der Wutachschlucht. In der Nachkriegszeit rückten die Zersiedelung der Landschaft und das Waldsterben in den Fokus der Aktivitäten. Unter ihrem Vorsitzenden, dem umweltbewegten Konservativen Hermann Person,  mischte der Verein in der Umweltbewegung der 1980er Jahre mit.

Heute zählt der Verein 65.000 Mitglieder in 220 Ortsgruppen. Auf dem Weg in die Zukunft von Verein und Schwarzwald schnüren sie die Wanderstiefel und engagieren sich weiterhin ehrenamtlich.


Zum Weiterlesen und -forschen:

  • Der Schwarzwald 2014, H. 2 – Sonderausgabe zum 150. Jubiläum: Onlineversion
  • Schwarzwaldverein: Homepage
  • Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord: Homepage
  • Naturpark Südschwarzwald: Homepage

/// Die einen haben es, die anderen brauchen es. Am 20. Juni zieht unser Onlinekalender andere Saiten auf.

Keine „verkalkten Säckel“ – ein Volksentscheid begräbt Badens Unabhängigkeitsbewegung

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7. Juni 1970 | Vierzehn Jahre lang rotierten die Stundenzeiger auf den Schwarzwalduhren in Baden voller Ungeduld, ehe die dritte Runde im Kampf Baden-Württemberg versus unabhängiges Bundesland Baden eingeläutet wurde. De facto hatte die Mehrheit im Südwesten im Zweiten Volksentscheid vom Dezember 1951 der Bildung des Bindestrich-Bundeslands grünes Licht gegeben. Eine Ausnahme bildete Südbaden, wo man landespolitisch lieber Single bleiben wollte. Gruppierungen wie der „Heimatbund Badnerland“ zweifelten an der Rechtmäßigkeit der Volksabstimmung und sollten 1956 durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes Karlsruhe Recht behalten. Die Abstimmung sei nicht mit den Reglungen im Grundgesetz § 29 konform abgelaufen und müsse wiederholt werden. Über das „Wann?“ machte das Gericht keine Angabe.

Die Jahre verstrichen und es wuchs immer mehr zusammen, was in den Augen Einiger nicht zusammengehörte. Das wirtschaftliche Gefälle zwischen den Landesteilen schwand und Fragen der Identität spielten eine zunehmend untergeordnete Rolle für die junge Generation. Keine „verkalkten Säckel“ seien die Badenseparatisten, sondern Menschen, die ein „demokratisches modernes Bundesland am Oberrhein“ wollten, zitiert die Wochenzeitung ZEIT den Alt-Badener Reinhold Grund am Vorabend des Volksentscheids am 7. Juni 1970.

Die Pro-Baden-Bewegung vereinte sowohl Baden-Romantiker vom alten Schlag als auch kühl Rechnende, die in der Unabhängigkeit Möglichkeiten einer der Zukunft zugewandten Regionalentwicklung sahen. Zugleich fürchtete die Landesregierung unter Ministerpräsident Hans Filbinger, dass Befürworter eines vereinten Baden-Württembergs aus falscher Sicherheit den Urnengang als überflüssig erachteten würden und die Pro-Badener somit wider Erwarten siegen könnten. Doch die Überraschung blieb beim Volksentscheid aus: 81,9% der abgegebenen Stimmen waren Pro-Baden-Württemberg; bei einer Wahlbeteiligung von 62,5% ein stichfestes Votum. In keinem Wahlkreis schafften es die Pro-Badener auch nur annähernd, eine Mehrheit für ihr Ansinnen zu erobern (ihr bestes Ergebnis holten sie im Stadtkreis Karlsruhe mit 36%). Als am 19. September 1971 eine von Unbeugsamen angestrebte Volksabstimmung am notwendigen Quorum der Mindestteilnehmenden scheiterte, war klar: Der Traum vom souveränen Baden war ausgeträumt.


Zum Weiterlesen und -forschen:

/// Wir bleiben romantisch-nostalgisch – wo ginge dies besser als im Schwarzwald? Morgen mehr hierzu.

Notbremsung – Stuttgarts Straßenbahner lassen kein Rad mehr rollen

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1. Juni 1902 | Stuttgart war stolz auf sein neues Verkehrsmittel: Statt mit Hafer und wenigen Pferdestärken lief die Straßenbahn ab 1895 verstärkt mit elektrischem Strom. Doch saugte die Tram nicht nur aus den Fahrdrähten Energie, sondern auch aus ihren Fahrern: Arbeitszeiten von bis zu 13,5 Stunden ruinierten auf Dauer die Gesundheit. Eine Besserung war nicht in Sicht, im Gegenteil: Das Direktorium der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) verhinderte aktiv, dass sich ihre Angestellten in Gewerkschaften organisieren durften (Koalitionsrecht). Druck und schlechte Behandlung rufen nur Gegendruck und Verbitterung hervor, fasste der „Courier“, das Gewerkschaftsblatt des „Zentralverbandes der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter Deutschlands“ die Stuttgarter Misere im Jahre 1902 zusammen.

Revolution ohne Bahnsteigkarte? Eine zeitgenössische Postkarte überspitzt die Auseinandersetzungen und  bezieht zugleich Position für die Streikenden.

Ende Mai 1902 zogen die Straßenbahner die Notbremse namens „Streik“. Ihre Forderungen waren zahlreich: Arbeitszeiten von maximal zehn Stunden, längere Pausen, höhere Löhne. Am Morgen des 1. Juni verließ keine Bahn das Depot, woraufhin die SSB die verprellten Kunden informierte, dass der „Bahnbetrieb mit neuen Personal“ in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden würde. In anderen Worten: Das Unternehmen warb aktiv Streikbrecher aus den umliegenden Städten wie beispielsweise Heilbronn an. Dies zog ernsthafte Konsequenzen nach sich, wie die sozialdemokratische Tageszeitung „Schwäbische Tagwacht“ mehrfach berichtete: Die Auswärtigen verursachten Beinahe-Unfälle mit der ihnen nicht vertrauten Technik und erregten die Wut der Stuttgarter Streikenden. Mehrfach kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Streikbrechern und Streikenden, zwischen Streikenden und der Polizei. Die Atmosphäre war aufgeheizt und die Polizei griff schnell ein, wenn sich Diskutierende versammelten. „Einzelne Schutzleute fühlten sich dadurch schon als Retter des Staates vor einer drohenden Revolution und zeigten ihre Schneidigkeit im Anfahren und Zurückstoßen des Publikums […]“, höhnte die „Schwäbische Tagwacht“.

Warum läuft alles? Die Gewerkschaft wollte ihre Position öffentlichkeitswirksam erklären (Anzeige in der sozialdemokratischen Tageszeitung „Schwäbische Tagwacht“ vom 2. Juni 1902).

Während im Hintergrund die zähen Verhandlungen zwischen Belegschaft und SSB-Führung liefen, war der Kampf um die öffentliche Meinung für beide Seiten mindestens genauso wichtig. Im bürgerlich-liberalen Blätterwald war ein verständnisvoller Unterton für die Positionen der Streikenden zu vernehmen. Sogar die Stadt Stuttgart stellte sich offen hinter sie, indem sie der SSB den weiteren Betrieb des Straßenbahnverkehrs untersagte. Ein Gericht kippte die Entscheidung, das SSB-Direktorium erhöhte den Druck und der Streik brach zusammen. Versuche der württembergischen Sozialdemokratie, im Folgejahr das Koalitionsrecht auf parlamentarischen Wege zu verankern, scheiterten ebenso.


Zum Weiterlesen:

  • Nikolaus Niederich: Stadtentwicklung und Nahverkehr. Stuttgart und seine Straßenbahn 1868 bis 1918 (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Bd. 79), Stuttgart 1998, S. 396-404.

/// Am 7. Juni sind in unserem Onlinekalender wieder die Badener dran.

 

Frischzellenkur für die Demokratie – Wählen ab 16 in den Kommunen

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25. Mai 2014 | Ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel zu machen ist kinderleicht, oder? Zumindest Jugendlichen ab 16 Jahren traute die grün-rote Landesregierung die nötige Reife zu, als sie am 11. April 2013 das Gesetz zur Absenkung des aktiven Wahlalters in Baden-Württemberg auf den Weg brachte. Fünf Tage später trat die Änderung der Gemeindeordnung in Kraft, sodass die Jugend bereits im Folgejahr, am 25. Mai 2014, an die Urnen schreiten durfte. Doch das Recht auf Mitbestimmung blieb auf die Kommunalwahlen beschränkt und die Möglichkeit, aktiv für einen Sitz im Gemeinderat zu kandidieren (passives Wahlrecht), sah die geänderte Gemeindeordnung nicht vor.

Im Vorfeld wurde über Sinn und Unsinn des aktiven Wahlrechts ab 16 Jahren umfassend diskutiert. Die Gegner des Anliegens führten Argumente ins Feld, dass Jugendliche sich noch nicht der Tragweite ihrer politischen Entscheidung bewusst seien oder dass sie verstärkt radikalen Parteien ihre Stimme geben würden. Gemäßigt-kritische Personen gaben zu bedenken, dass mit den Jugendgemeinderäte in verschiedenen Kommunen bereits die Chance gegeben sei, dass junge Menschen unter 18 Jahren ihre Anliegen und Interessen demokratisch legitimiert vertreten könnten. Prinzipiell sei dies richtig, allerdings gäbe es die parlamentarische Vertretung junger Menschen nicht flächendeckend, hielten die Befürworter des Wahlrechts ab 16 entgegen. Man solle der Jugend überhaupt mehr zutrauen, sie frühzeitig an der Gestaltung jener Gesellschaft teilhaben lassen, in der sie leben werden (und in der junge Auszubildende bereits Steuern zahlen).

Die Ergebnisse der Kommunalwahlen vom 25. Mai 2014 zeigten, dass die jungen Wählerinnen und Wähler weder besonders radikal noch auffällig häufiger wählten als die Über-18-Jährigen. „Verschwende deine Jugend“, forderte die Elektroband D.A.F in den 80er-Jahren – zumindest ihr Stimmrecht klammern zahlreiche Jugendliche heute vom Verschwenden aus.


Zum Weiterlesen:

/// Am 1. Juni stehen Räder still.

Ein unbekannter Vater – Paul Zürcher und das Grundgesetz

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23. Mai 1948 | Grundlegendes wurde vor 70 Jahren verabschiedet: das Grundgesetz (GG) der Bundesrepublik Deutschland. Zunächst nur als Provisorium gedacht, hat es sich bis heute seine Gültigkeit bewahrt und bislang bestens bewährt. Seine Entstehungsgeschichte in der unmittelbaren Nachkriegszeit ist eng mit dem Verfassungskonvent im bayrischen Schloss Herrenchiemsee verbunden, der im August 1948 einberufen worden war. Gerne werden die Bevollmächtigten der elf westdeutschen Länder „Väter des Grundgesetzes“ genannt – da Frauen nicht anwesend waren, konnte von „Müttern“ ja leider keine Rede sein. Hier wurden grundsätzliche Formulierungen diskutiert und dem Parlamentarischen Rat ein Verfassungsentwurf zur weiteren Diskussion und Abstimmung überreicht. Am 23. Mai 1949 wurde das GG sodann verkündet, das mit dem Beginn des 24. Mai in Kraft trat.

Badens Mann im Verfassungskonvent: Paul Zürcher (Bildnachweis: Landesmedienzentrum 053680; Einfärbung: HdGBW/ Hemberger).

Die drei südwestdeutschen Bevollmächtigten auf Herrenchiemsee 1948 waren höchst unterschiedliche Männer: Für Württemberg-Baden saß der Staatsminister der Justiz, Josef Beyerle, am Tisch; Württemberg-Hohenzollern wurde durch den stellvertretenden Staatspräsidenten und Justizminister Carlo Schmid vertreten; und für Baden war der Präsident des Oberlandesgerichts Freiburg, Paul Zürcher, gekommen. Heute ist sein Name weithin unbekannt. Dabei lohnt es sich, sich an ihn zu erinnern.

Der 1893 in Sunthausen (heute Ortsteil von Bad Dürrheim) geborene Zürcher hatte nach dem Ersten Weltkrieg eine juristische Karriere begonnen und war bis 1944 Amtsgerichtsrat in Freiburg gewesen. Bereits 1935 stand er auf einer Liste von Justizbeamten, die wegen abweichender politischer Meinung versetzt werden sollten. Zürcher behielt seinen Posten, legte sich allerdings in den Jahren 1939/40 mit dem NS-Machtapparat an. Er weigerte sich vehement, die ihm vorgeschriebene Austragung des Freiburger katholischen Studentenvereins Normania aus dem Vereinsregister vorzunehmen: Die Gestapo habe das Verbot rechtswidrig vorangetrieben, so Zürchers Standpunkt. Seine Widerspenstigkeit hatte zur Folge, dass der Jurist im Jahre 1944 als Rüstungsarbeiter zwangsverpflichtet wurde. Nach der Befreiung beteiligte er sich maßgeblich am Aufbau der Badisch Christlich-Sozialen Volkspartei (dem badischen Vorläufer der CDU). Als ausgewiesener Fachmann – 1945 war er zunächst Leiter der Justizverwaltung in der französischen Besatzungszone Baden geworden – empfahl er sich für das Verfassungskonvent auf Schloss Herrenchiemsee. Hier war er vor allem als Vorsitzender des Unterausschusses III für Organisationsfragen (Aufbau, Gestaltung und Funktion der Bundesorgane) tätig.

Paul Zürcher ist somit nicht nur Teil der deutschen Verfassungsgeschichte, sondern auch der Geschichte des Widerstandes gegen die NS-Diktatur im Südwesten. Das digitale Gedenkbuch des Landtags Baden-Württemberg listet weitere ParlamentarierInnen mit diesem Hintergrund auf.


Zum Weiterlesen und -forschen:

  • Das digitale Gedenkbuch des Landtags Baden-Württemberg: Eintrag zu Paul Zürcher.
  • Angela Borgstedt: Paul Zürcher. Amtsgerichtsrat in Freiburg, in: Heiko Maas (Hg.): Furchtlose Juristen. Richter und Staatsanwälte gegen das NS-Unrecht,  München 2017, S. 266-277 u. S. 325-326.
  • Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg: 70 Jahre Grundgesetz.

/// „Mit 17 hat man noch Träume“: Einer der Träume geht für Jugendliche bereits mit 16 in Erfüllung. Welcher? Lesen Sie mehr dazu am 25. Mai.

Hand in Hand? – Ein Streik bei John Deere wird wild

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22. Mai 1973 | Ein Taschenmesser, eine Planierraupe, eine Brechstange und zahlreiche deutsche und migrantische Arbeiter mit ordentlich Wut im Bauch: Bereits diese kurze Aufzählung macht klar, dass der „Wilde Streik“ beim Landmaschinenhersteller John Deere in Mannheim ein echter sozialer Krimi gewesen ist. Ein „wilder“ Streik ist zunächst eine Arbeitsniederlegung, die spontan und ohne Ankündigung von Gewerkschaften abläuft. Ganz unbeteiligt waren sie allerdings nicht, riefen doch die Ergebnisse ihrer Tarifrahmenverhandlungen nicht durchgängig Jubel hervor. Als weitere Belastung wurde auch bei Deere die Akkordarbeit am Band empfunden. Konrad Siegel hatte Ende 1971 mit 18 Jahren nach dem Abitur als Arbeiter in dem Mannheimer Werk begonnen und wurde rasch als Jugendvertreter aktiv in einem Organ der Betriebsverfassung.

 

In jenen Maitagen des Jahres 1973 war die Industrielandschaft Rhein-Neckar in Aufruhr: Die Welle der Arbeitsniederlegungen gipfelte im Arbeitskampf bei John Deere vom 22. bis 29. Mai – mittendrin war Konrad Siegel. Die Bereiche Gießerei und Montage seien damals wie zwei eigene Welten gewesen, der Kontakt zwischen den dort Beschäftigten eher gering. Zudem arbeiteten besonders in der Gießerei viele migrantische Arbeiter, von denen die meisten in werkeigenen Baracken hausen mussten. Dem zum Trotz sollten alle zum Streik mobilisiert werden: Ab 9 Uhr morgens zogen die ersten Streikenden durch die Werkhallen und riefen ihre Kollegen auf, sich anzuschließen. „Besonders die ausländischen Kollegen hatten keine Scheu, sich öffentlich zu zeigen, ganz nach dem Motto ,Wenn wir schon streiken, dann muss es wild und laut sein!‘, erinnert sich Siegel. Für viele Deutsche hatte dies nicht nur etwas Exotisches an sich, sondern zugleich etwas Bedrohliches, so der damalige Jugendvertreter weiter. Auch die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter waren in der Streikleitung ganz vorne mit dabei und riskierten den Rauswurf.

In der aufgeheizten Stimmung des Streiks sei es auch zu menschlichen Missverständnissen und Spannungen gekommen. Deutsche Kollegen hätten noch gearbeitet, als die Streikenden eine Halle betraten, hätten dann jedoch rasch ihr Pausenbrot mitsamt Taschenmesser ausgepackt, um abzulenken. Beim Gespräch zwischen migrantischen und deutschen Arbeitern habe der Deutsche mit dem Messerchen herumgefuchtelt, was als Provokation aufgenommen wurde und ihm einen leichten Schlag mit dem Helm eines der streikenden Gießereiarbeiter einhandelte. Als ein Deutscher mit einer Planierraupe langsam auf migrantische Arbeiter zufuhr, einer aus deren Reihen wütend die Fensterscheibe der Fahrerkabine einschlug, gab dies den Bewegungsspaltern zusätzlich Futter, so Siegel. ,Jetzt machen die Ausländer sogar die Fabrik kaputt und verprügeln euch Deutsche‘, sei von Seiten einiger Unternehmensvertreter zu hören gewesen. Trotz dieser Vorfälle sei der Zusammenhalt der Streikenden, deutscher wie migrantischer Herkunft, sehr gut gewesen: „Wir ließen uns nicht spalten“, erinnert sich Siegel.

Der Streik wurde intensiv begleitet von kommunistischen Gruppen und polarisierte die Mannheimer Öffentlichkeit extrem. Nach Ende des Streiks wurden zahlreiche migrantische Arbeiter entlassen, wogegen die IG-Metall protestierte. Die Fähigkeit zu betrieblichen Streiks bei John Deere sei in den folgenden zehn Jahren erheblich beeinträchtigt gewesen, bilanziert Konrad Siegel rückblickend. Eine positive Schlussfolgerung aus die­sem Konflikt sei, dass über die Jahre und bis heute die Notwendigkeit einer aktiven Einbeziehung migrantischer Beschäftigter in die Interessenvertretungsarbeit bei John Deere eine selbstverständliche Realität ist.


Zum Weiterlesen:

  • Torsten Bewernitz: „Terror der ausländischen Arbeiter“. Die „wilden“ Streiks im Rhein-Neckar-Gebiet im Mai 1973, in: Arbeit-Bewegung-Geschichte 15 (2016), H. 1, S. 63-72.

/// Und morgen wieder etwas Grundsätzliches: Unser Kalenderblatt zu 70 Jahre Grundgesetz der Bundesrepublik.

Straße, endlose Straße – der Vagabundenkongress 1929 in Stuttgart

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21. Mai 1929 | Ein „umherschweifender Rebell, ein revolutionärer Wanderagitator der Brüderlichkeit in den Pennen und Asylen Europas“ sei der „Kunde“ (eine alte Selbstbezeichnung der Landfahrer und Vagabunden). So formuliert es der anarchistische, später kommunistische Aktivist Gregor Gog auf dem ersten Internationalen Vagabundenkongress in Stuttgart im Jahre 1929.  Über 500 „Kunden“ folgen seinem Ruf und finden sich vom 21. bis 23. Mai 1929 im Freidenker-Jugendgarten an der Kunsthochschule auf dem Stuttgarter Killesberg ein. Für drei Tage ist hier die Hauptstadt des „Vagabundischen“: In ihren Reden greifen politisch aktive Kunstschaffende wie Alfons Paquet, Hans Tombrock und Heinrich Lersch ebenso wie der libertäre Kommunist Rudolf Geist oder der Pfarrer Jakob Weidemann das herrschende Gesellschaftssystem an.

Georg Gog brachte eine eigene „Zeit- und Streitschrift“ für die Tippelbrüder heraus: „Der Kunde“.

Neben der Möglichkeit, einen sicheren Ort für Geselligkeit und Austausch bereitzustellen, geht es den Veranstaltern auch darum zu zeigen, wie vielfältig die im Schoße der Vagabundenbewegung erwachsene Kunst ist: Mit einer eigenen Kunstausstellung und einer durch behördliche Eingriffe zensierten Rundfunksendung erreichen die Aktiven ein großes Publikum, nicht immer zur Freude der damaligen Stadtverwaltung. Diese versucht, das Ereignis möglichst geräuschlos passieren zu lassen. Entgegen dieser Hoffnung strömen zahlreiche Pressevertreter auf den Killesberg, um ein möglichst exotisches und romantisierendes Bild der Versammelten zu erheischen. Doch Aktivisten wie Gregor Gog, der als Bewohner einer selbstgezimmerten Hütte vor den Toren Stuttgart bereits selber reichlich exotisch wirkt, wissen es besser: Obdach- und Arbeitslosigkeit sind schwere Bürden der rund 100.000 Menschen auf der Straße, von denen sich nur ein kleiner Teil bewusst und freiwillig zu diesem Lebensstil entschieden hat.

Die linke Arbeiter-Illustrierte Zeitung (AIZ) berichtete in Ausgabe 23/1929 halb solidarisch, halb kritisch über das Stuttgarter Ereignis.

Bereits im Jahre 1927 nahm Gog den Kampf gegen die „Vereinsamung“ der Vagabunden auf, gründete die „Bruderschaft der Vagabunden“, veröffentlichte die „Zeit- und Streitschrift“ „Der Kunde“ und leitete einen eigenen „Verlag der Vagabunden“. Hier wurde unter anderem Otto Zieses Gedichtband „Straße – endlose Straße“ zur Veröffentlichung gebracht. Vagabundentum, das sei ein lebenslanger Generalstreik, mit der die „kapitalistische, ,christliche‘, kerkerbauende Gesellschaft ins Wackeln, ins Wanken, zu Fall“ gebracht werde, erklärt Gog in seiner Rede auf dem Vagabundenkongress. In der Folgezeit radikalisierte er sich zunehmend, trat (erneut) der KPD bei und floh vor der Verfolgung durch das NS-Regime in die Sowjetunion, wo er nach dramatischen Jahren Ende 1945 verstarb. Die Vagabundengemeinschaft wurde ab 1933 systematisch durch die braunen Machthaber in Deutschland verfolgt.

Im Jahre 1981 erregte der letztendlich gescheiterte Versuch, eine Neuauflage des Vagabundenkongresses zu veranstalten, noch einmal die Stadt Stuttgart: Alte Vorurteile und Ängste brachen sich erneut Bahn, diesmal sogar vermischt mit fremdenfeindlichen Stimmen.


Zum Weiterlesen:

  • Diethart Kerbs: Vagabundenkongreß Stuttgart Mai 1929 (= Edition Photothek, Bd. XVII), Berlin 1986 [darin: zahlreiche Fotografien des Kongresses].
  • Klaus Trappmann: Landstraße, Kunden, Vagabunden. Gregor Gogs Liga der Heimatlosen, Berlin 1980.
  • Patrick Spät/Beatrice Davies: Der König der Vagabunden. Gregor Gog und seine Bruderschaft, Berlin 2019 [Graphic Novel, erscheint vorraus. im September].
  • Michael Kienzle/Dirk Mende:  Denkblatt: Gregor Gog. 1891 – 1945. Generalstreik das Leben lang! Stuttgart 2004 [digitale Ausgabe].

/// Ein weiterer gemeinsamer Kampf steht auf dem morgigen Kalenderblatt.

Unter Strom – die „Eltern für atomfreie Zukunft“ werden aktiv

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19. Mai 1987 | Dass sich Eltern um ihre Kinder Sorgen machen, ist der Normalfall. Ob nun auf dem Fahrrad im Straßenverkehr, beim Klettern auf Bäumen oder beim Sport: Eltern sehen scheinbar instinktiv die Gefahren, die ihrem Nachwuchs drohen könnten. Unsichtbar, aber nicht weniger gefährlich war die Bedrohung, die nach dem verheerenden Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl im Jahre 1986 in Mitteleuropa viele Menschen beunruhigte. Auch im kleinen Ort Schönau im Schwarzwald lebten Eltern, die die Nachrichten über radioaktiven Regen und verstrahlte Lebensmittel mitbekamen. Der Schönauer Wolf Dieter Drescher erinnert sich:

Wer suchet, der findet: Mit einer Anzeige im örtlichen Heftli (hier eine Rekonstruktion) versammelte Familie Drescher gleichgesinnte Eltern aus Schönau (Bildnachweis: EWS).

„Nachdem dann eben auch die Situation entstanden ist, ‚Lasst eure Kinder nimmer im Sandkasten spielen!‘, da war klar: irgendetwas muss man eigentlich tun. Ich hab‘ die Anzeige im lokalen Anzeigeblatt geschaltet, zusammen mit meiner Frau unterschrieben, und war ehrlich gesagt sehr gespannt, was passiert.“

Dreschers Forsthaus wurde daraufhin zum Treffpunkt jener, die wie Ursula Sladek der Meinung waren, dass die Regierung und die Stromversorger die Risiken der Kernenergie unterschätzt hätten: „Wenn sich etwas ändern soll, müssen wir die Ärmel hochkrempeln und selbst was ändern!“, schildert die Schönauerin den Energieschub, der zur Gründung des Verein „Eltern für atomfreie Zukunft“ (EfAZ) am 19. Mai 1987 führte. Zunächst wollten sie die Bundesregierung dazu bewegen, das Energiewirtschaftsgesetz zu ändern, sodass einzelne Regionen aus dem Bezug von Atomstrom hätten aussteigen können.

Jung und alt aktiv gegen Atomenergie: Die „Eltern für atomfreie Zukunft“ zogen auch künstlerisch alle Register – hier eine „Delegation“ um Michael Sladek (Mitte) im fernen Hamburg (Bildnachweis: EWS).

Doch rasch kam Vereinsmitglied Michael Sladek zur Erkenntnis, dass die Bürgerinnen und Bürger die Energiewende von unten alleine stemmen mussten. Es war die Geburtsstunde einer „Rebellion“. Die EfAZ wurde kreativ: Bereits im November lud sie zum „Ersten Schönauer Energietag“ ein, der den Anstoß zum Start einer Stromsparkampagne im Folgejahr wurde. Sie gründeten die Theatergruppe „Wattkiller“, die mit einer gehörigen Portion Humor für das Thema Stromverbrauch, Stromsparen und alternative Formen der Energieerzeugung trommelten. Doch mit Sparen allein war der Kampf nicht zu gewinnen: Die Schönauer „Stromrebellen“ wollten aktiv in die umweltfreundliche Stromgewinnung einsteigen und betraten einen steinigen Weg, der schlussendlich zu der erfolgreichen Gründung der „Elektrizitätswerke Schönau“ (EWS) und der Übernahme des lokalen Stromnetzes führte.

Die „Eltern für atomfreie Zukunft“ unterstützen seit Anfang der 1990er Projekte, mit denen krebskranken Kindern und Jugendlichen, den späten Opfern der Tschernobyl-Katastrophe, in Kiever Kliniken geholfen wird.


Zum Weiterlesen:

  • Eltern für atomfreie Zukunft e.V.: Homepage.
  • Bernward Janzing: Störfall mit Charme. Die Schönauer Stromrebellen im Widerstand gegen die Atomkraft, Vöhrenbach 2008.
  • DVD: Die Schönauer Gefühl. Die Geschichte der Stromrebellen aus dem Schwarzwald. Eine Produktion des Fördervereins für umweltfreundliche Stromverteilung und Energieerzeugung Schönau im Schwarzwald e.V., Schönau 2007.

/// Überall zu Hause sein: Am 21. Mai folgt der nächste Eintrag.

Badisches Déjà-vu – die Abstimmung über die neue Verfassung Badens 1947

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18. Mai 1947 | „Als Treuhänder alter badischer Überlieferungen“ habe sich das badische Volk seine Verfassung gegeben, heißt es in der Präambel zur Badischen Verfassung von 1947. Eine dieser „alten“ Überlieferungen war es auch, das Volk über seine verfasste Grundordnung abstimmen zu lassen, so geschehen im Jahre 1919. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das Land Baden (bis 1946: Südbaden) Teil der französischen Besatzungszone und Teil verschiedener Gedankenspiele der Franzosen, wie mit der Region zwischen Freiburg und Karlsruhe zu verfahren sei. Als Vorsitzender der badischen Regierung setzte sich Leo Wohleb, zugleich Landesvorsitzender der Badisch Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV, Vorläufer der CDU), dafür ein, die Souveränität seines Landes gegen etwaige Zusammenschlüsse mit den württembergischen Nachbarn zu verteidigen.

 

Im Spätherbst des Jahres 1946 liefen die Beratungen über eine neue badische Verfassung an. Die verschiedenen Regierungsparteien waren bemüht, ihren Vorstellungen und Interessen einen möglichst prägenden Einfluss auf den Entwurf zu verschaffen. Die BCSV machte sich beispielsweise für christliche Gemeinschaftsschulen stark, was die liberale Demokratische Partei (DP), die Sozialistische Partei und die Kommunisten ablehnten. Die beiden letztgenannte sprachen sich für weitreichende antikapitalistische Maßnahmen aus, die von einer tiefgreifenden Arbeitermitbestimmung bis hin zur Sozialisierung von Schlüsselindustrien reichten. Diesbezüglich erwies sich die BCSV als Bremser. Schlussendlich wurde der Verfassungsentwurf mit einer Mehrheit aus BCSV- und DP-Stimmen (32 bzw. 8) gegen die Stimmen von SP und KP (8 bzw. 4) angenommen. Nach der Zustimmung der französischen Militäradministration war es an den Badenerinnen und Badenern, ihr Votum abzugeben. Mit rund 68% der abgegebenen gültigen Stimmen hatte die Verfassung des Volkes Segen und trat am Folgetag in Kraft.

Das Werk enthielt neben vermehrten Gottesbezügen einige Formulierungen, wie sie in dieser Deutlichkeit in anderen Landesverfassungen nicht zu lesen waren. So regelten die Paragrafen 118 bis 121 sehr ausführlich die besondere Rolle von Parteien innerhalb der Demokratie und Paragraf 3 legte fest, dass „kein badischer Staatsbürger zur Leistung militärischer Dienste gezwungen werden [darf].“ Jeder habe das Recht auf Arbeit, die zugleich „sittliche Pflicht“ sei (§37). Die Verfassung unseres 1953 gebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg hob die badische auf. Sehr zum Ärger einiger Badener wurde über deren Text nicht das Volk befragt.


Zum Weiterlesen:

/// Morgen machen in unserem Onlinekalender Eltern gegen eine strahlende Zukunft mobil.

Schillerndes Gedenken – wie ehrt man einen Dichterfürsten?

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9. Mai 1835 | Dass ausgerechnet diese Stadt ihm ein Denkmal errichten würde, hätte Friedrich Schiller zumindest belustigt. Als französische Truppen im Jahr 1796 in Stuttgart einmarschieren wollten, schrieb er an Johann Wolfgang von Goethe: „Ich kann das aber nicht glauben,  da [… ] es keinem Mensch, der bei Sinnen ist, einfallen kann, sich auch nur 3 Stunden darin halten zu wollen.“ Der gebürtige Marbacher sah in der Residenzstadt des 1793 gestorbenen Württembergischen Herzogs Carl Eugen ein Symbol für provinzielles Despotentum: Wie Recht er haben sollte, bewiesen die verhärmten Reaktionen der Obrigkeit auf Schillers Revoluzzer-Stück „Die Räuber“, das im Jahre 1781 uraufgeführt wurde und ihn letztendlich im darauffolgenden Jahr zur endgültigen Flucht aus Carl Eugens Schwabenreich zwang. Aus dem studierten Militärarzt der Württembergischen Armee wurde der epochenmachende Literat, der im thüringischen Weimar Seite an Seite mit Goethe lebte und wirkte – nicht ohne Heimweh, denn als Schwabe fühlte er sich stets.

In Wirklichkeit nur einmal vorhanden und nicht ganz so bunt: Das Stuttgarter Schillerdenkmal (Collage: Hemberger).
In Wirklichkeit nur einmal vorhanden und nicht ganz so bunt: Das Stuttgarter Schillerdenkmal (Collage: Hemberger).

Sein Tod am 9. Mai 1805 erschütterte das fortschrittliche Bürgertum in den deutschen Landen und entfachte umgehend die Diskussionen, wie der „Dichterfürst“ angemessen gewürdigt werden könnte. In Württemberg brachte die erste Stuttgarter Schillerfeier im Jahre 1825, ausgerichtet vom liberalen Stuttgarter Liederkranz, Bewegung in die Denkmalpläne. Deutschlandweit wurden Spenden gesammelt und der seiner Zeit begehrteste Bildhauer, Bertel Thorvaldsen, erklärte sich bereit, ohne Honorar das Standbild auszuführen. Als Standort wurde bewusst der Alte Schlossplatz (heute: Schillerplatz) gewählt, einen Steinwurf von der damaligen Residenz der Württembergischen Könige entfernt.

In der allgemeinen Schillerbegeisterung jener Jahre war die Gründung des Marbacher Schillervereins am 9. Mai 1835 ein weiterer Baustein, das Andenken und geistige Erbe Schillers systematisch zu fördern und zu sichern. Als am 8. Mai 1839 das Stuttgarter Denkmal mit einem großen Volksfest enthüllt wurde, sahen liberale Kreise darin ein Symbol des Sieges über den alten Despotismus. Verschnupft reagierten lediglich einige Marbacher, die sich laut dem Chronisten Hermann Kurz eine solche zentrale Gedenkstätte nur in Schillers Geburtsort vorstellen konnten: „Alles wollen sie  an sich ziehen! […], und nun haben sie auch noch Den da!“ (Hermann Kurz, zitiert nach: Davidis, 150 Jahre Schiller-Denkmal, S. 11).

Doch die Marbacher zogen nach: 1859 richteten sie in Schillers Geburtshaus eine Gedenkstätte ein, 1876 folgte das obligatorische Denkmal und im Jahre 1903 schließlich das große Schiller-Museum, das heute ein Teil des Deutschen Literaturarchivs Marbach ist. Schiller für alle!


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/// Geben Sie Gedankenfreiheit! Aber gerne doch: Morgen ergreift eine Frau das Wort.