Gegen „Maulwürfe“, für die Republik – Die Reichsbannergruppe Mannheim ist auf der Wacht

Ein Kommentar

26. Juli 1924 | „Maulwürfe unterwühlen den Bestand der deutschen Republik“, warnte der sozialdemokratische Politiker Paul Löbe im Jahre 1924. Wie gefährdet die junge Demokratie in jenen Jahren war, machten Ereignisse wie der Kapp-Putsch im Jahre 1920 und der Hitler-Putsch von 1923 deutlich. Rechtsradikale und faschistische Gruppen traten mit Gewalt und Terror gegen die Republik auf, Monarchisten und Linksradikale lehnten den neuen Staat scharf ab.

Deutlich erkennbar für die Republik: Eine Reichsbanner-Anstecknadel ( Bildnachweis: Kreisarchiv Rhein-Neckar-Kreis, Abt. 20, Nachlass Willy Gärtner)

Mit diesem Zustand wollten sich viele Republikaner, darunter zahlreiche Frontsoldaten, nicht abfinden. Vertreter der SPD, der katholischen Zentrumspartei sowie der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) gründeten am 22. Februar 1924 in Magdeburg das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold: „Im Reichsbanner ,Schwarz-Rot-Gold‘ erhebt sich das republikanische Deutschland selbst, um seine Verfassung zu schützen“, brachte Paul Löbe dessen Ziele auf den Punkt. Als selbsternannte „Schutztruppe der Republik“ sollten nicht nur deren Feinde bekämpft, sondern auch aktiv für Grundrechte, Gleichheit und Brüderlichkeit eingestanden werden. Auch aus diesem Grunde fühlte sich das Reichsbanner programmatisch in der Nachfolge der Revolution von 1848/49, die besonders im Südwesten die Menschen auf die Barrikaden getrieben hatte.

Die Mannheimer Reichsbannergruppe vor dem Frank-Denkmal (Bildnachweis: Marchivum Mannheim, Sign. KF029130).

Innerhalb eines Jahres wuchs das Reichsbanner zu einer Millionenorganisation heran. Im badischen Rhein-Neckar-Gebiet entstand bereits im Mai 1924 eine Mannheimer Ortsgruppe. Am 26. Juli desselben Jahres traten die Mannheimer zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung, als sie zur Fahnenweihe geladen hatten. „Die Reichsfarben sind die Volksfarben“, so eine Losung, mit denen die aktiven Republikaner die Farben Schwarz-Rot-Gold als Symbol des neuen Staates stärken wollten. Auch das Reichsbanner marschierte unter diesen Farben und grenzte sich gegen die aus der Kaiserzeit stammende Trikolore Schwarz-Weiß-Rot und deren Anhänger ab.

Die Einweihung des Denkmals für den im I. Weltkrieg umgekommenen SPD-Abgeordneten Ludwig Frank war im September 1924 der erste große Auftritt der jungen Mannheimer Ortsgruppe (zeitgen. Postkarte; Bildnachweis: Kreisarchiv Rhein-Neckar-Kreis, Abt. 20, Nachlass Willy Gärtner).

Der Sommer 1924 war geprägt von einer regen Aufbauarbeit. Ortsgruppen entstanden sowohl in Städten wie Heidelberg und Freiburg als auch in Orten wie Mosbach und Weinheim. Einen tiefen Eindruck hinterließ zudem der erste „Republikanische Tag für Südwestdeutschland“ am 27. und 28. September 1924 in Mannheim. Rund 10.000 Reichsbannerleute waren vor Ort, als im Oberen Luisenpark ein mächtiges Denkmal eingeweiht wurde. Geehrt wurde der Mannheimer Dr. Ludwig Frank, ein jüdischer Sozialdemokrat, der im Jahr 1914 im Ersten Weltkrieg gefallen war.

Das Reichsbanner entwickelte sich im Südwesten zum festen Bestandteil des demokratischen Lebens und war damit Zielscheibe nationalsozialistischer Gewalt. 1933 wurde die Organisation verboten und das Mannheimer Frank-Denkmal von den braunen Machthabern zerstört.


Zum Weiterlesen und -forschen:

  • Jörg Kreutz: „Die Fahne der Republik ist Schwarz-Rot-Gold“. Die Anfänge des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in der Rhein-Neckar-Region (1924–1927), in:  Martin Krauß / Ulrich Nieß (Hgg. ): Stadt, Land, Heimat. Beiträge zur Geschichte der Metropolregion Rhein-Neckar im Industriezeitalter, Basel / u.a. 2011,  S. 239-268.
  • Marcel Böhles: Im Gleichschritt für die Republik. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Südwesten, 1924 bis 1933, Essen 2016.
  • LEO-BW: Eintrag und Material zu Dr. Ludwig Frank.

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