Einer für alle, alle für einen! Der Gewerkschaftsbund Württemberg-Baden wird gegründet

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1. September 1946 | Eine Waffenschmiede zum Nutzen der arbeitenden Bevölkerung und zum Wohle der Allgemeinheit solle er werden, dieser erste Bundestag des Gewerkschaftsbundes Württemberg-Baden (GWB) in den Räumen der Salamander-Schuhfabrik in Kornwestheim. Mit diesen eröffnenden Worten brachte Markus Schleicher, erster Präsident des GWB, die Hoffnungen der 163 anwesenden Delegierten auf den Punkt: Nach den Schrecken der NS-Zeit, in der zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder als KZ-Häftlinge den Tod fanden, sollten nun wieder freie, demokratische Gewerkschaften die Interessen ihrer Mitglieder (damaliger Stand in Württemberg-Baden: ca. 260.000 Personen) vertreten. Und dies nicht nur bei Lohn- und Arbeitsfragen, sondern in allen sozialen und kulturellen Streitfragen. Selbstverständlich auf Augenhöhe mit dem Unternehmertum und den politischen VertreterInnen.

 

Ziel war eine sichere Zukunft ohne Rückwärtsgang: Das Aufkeimen eines neuen Faschismus sollte unmöglich werden: „Die Gewerkschaften kämpfen für die Überwindung der kapitalistischen Wirtschaft. Ihr Endziel ist eine sozialistische Wirtschaft.“ Planwirtschaftliche Konzepte sollten Krisen, wie sie mit zum Aufstieg der NSDAP führten, verhindern helfen. An den realen Besitzverhältnissen änderte sich den vielsagenden Absichtserklärungen zum Trotz jedoch nur wenig. Größere und kleinere Streiks, Basisarbeit in den Betrieben und Mitgliederberatungen bestimmten fortan den steinigen Alltag der Gewerkschaften im Südwesten.

Am 1. September 1946 schloss der Kongress mit der Wahl Markus Schleichers zum ersten Präsidenten des GWB. Ein Jahr vor seinem Tode wurde er im Jahr 1950 an die Spitze dessen Nachfolgers, des DGB-Landesverbands Württemberg-Baden, gewählt.

Wir danken dem Archiv der sozialen Demokratie sowie der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung (Bonn) für die Bereitstellung des Quellenmaterials.


Zum Weiterlesen und -forschen:

  • Christian Seifert: Entstehung und Entwicklung des Gewerkschaftsbundes Württemberg-Baden bis zur Gründung des DGB, 1945 bis 1949, Marburg 1980.

3 Antworten auf „Einer für alle, alle für einen! Der Gewerkschaftsbund Württemberg-Baden wird gegründet“

  1. Die in der unmittelbaren Nachkriegszeit formulierten politischen und wirtschaftlichen Forderungen der Gewerkschaften sind von erstaunlicher Aktualität.
    In wenigen Wochen jährt sich zum 111. mal der Geburtstag Willi Bleichers – sicherlich einer der markantesten Köpfe der Gewerkschaftsbewegung im Südwesten.

  2. „Eine Waffenschmiede zum Nutzen der arbeitenden Bevölkerung“ …. Erstaunlich ist die martialische Sprache nach den Jahren einer unvergleichlichen Aufrüstung und eines unmenschlichen Angriffskrieges!
    Danke für die interessanten Informationen zu einem wichtigen Jubiläum!

    1. Vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar.

      Sie haben Recht: Im Schatten des II. Weltkrieges mag diese Wortwahl etwas verstörend wirken, doch gilt es, den Hintergrund des Gewerkschafters Markus Schleichers nicht zu vergessen. Geboren im Jahre 1884, trat Schleicher 1901 in den Holzarbeiterverband ein, für den er im Jahre 1906 fern seiner württembergischen Heimat als ehrenamtlicher Bevollmächtigter in Wilhelmshaven aktiv war.

      Im selben Jahr öffnete das Hamburger Gewerkschaftshaus seine Pforte, ein Ereignis, dessen Strahlkraft die ganze deutsche Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung erfasste. Der sozialdemokratische Politiker und Theoretiker August Bebel bezeichnete die Institution als „geistige Waffenschmiede“, eine Formulierung, auf die sich Markus Schleicher vierzig Jahre später im Rahmen seiner Eröffnungsrede des GWB-Gründungskongresses bezog. Die Gewerkschaften bemühten sich nicht zuletzt um eine Rückeroberung der Begrifflichkeiten und Formulierungen, die durch das NS-Regime pervertiert und missbraucht worden waren.

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